Was sind Aktien? Einfach erklärt für Einsteiger
In aller Kürze:
📈 Eine Aktie verbrieft einen Anteil an einem Unternehmen: Als Aktionär hast du Mitbestimmungsrechte und bist am Gewinn beteiligt.
📈 Der Preis von börsennotierten Aktien kann stark schwanken. Wer Aktien kauft, braucht ausreichend Zeit, um solche Schwankungen auszusitzen.
📈 Im langjährigen Durchschnitt haben die Aktienmärkte die höchsten Renditen gebracht – verglichen mit Anleihen, Immobilien oder Gold.
Inhaltsverzeichnis
Wie funktionieren Aktien?
Obwohl es mittlerweile so viele Informationen zum Thema Investieren gibt – Aktien bleiben für manche Menschen ein Buch mit 7 Siegeln. Vielleicht, weil so viele Fachbegriffe verwendet werden, die das Ganze komplizierter klingen lassen, als es ist.
🔴 Lass es uns an einem Beispiel durchgehen
Yvonne hat vor 10 Jahren ihre Staubsauger-Firma gegründet: die „Staubsauger GmbH“. Es läuft gut für Yvonne, und nun möchte sie gerne neue Fabriken bauen und ihre Staubsauger auch im Ausland verkaufen. Dafür braucht sie viel neues Geld (=“Kapital“).
Eine Möglichkeit, an Geld zu kommen: Yvonne bringt ihr Unternehmen an die Börse. Dazu muss sie es in eine Aktiengesellschaft umwandeln: Aus der Staubsauger Gmbh wird die Staubsauger AG (AG = Aktiengesellschaft)
Zunächst wird ermittelt, was die Firma wert ist – sagen wir der Einfachheit halber 1 Million Euro. Yvonne gibt 10.000 Stammaktien aus („Aktienemission“) und bietet sie für je 100 Euro auf dem Aktienmarkt an. Die Staubsauger AG ist nun „börsennotiert“.

Jetzt kommt Ali und kauft sich eine Aktie. Nun ist Ali am Unternehmen beteiligt, und zwar zu einem Zehntausendstel. Als Aktionär hat er besondere Rechte. Die Aktie ist die Urkunde, die diese Rechte verbrieft. Verkauft Ali später seine Aktie, gehen die Rechte auf den neuen Besitzer über.
Früher bekam man tatsächlich die Aktie als Stück Papier ausgehändigt, heutzutage läuft es fast immer rein elektronisch. Statt im Tresor zu Hause liegt die Aktie in einem Depot bei der Bank.
➡️ Nachdem Yvonnes Firma nun eine börsennotierte AG ist, ändert sich einiges:
Als Vorständin einer Aktiengesellschaft muss Yvonne viele Regeln beachten und Transparenzpflichten einhalten.
Einmal im Jahr gibt es die Hauptversammlung, zu der alle Aktionäre eingeladen werden – auch Ali. Dort wird das Jahresergebnis vorgestellt. Der Vorstand muss die Fragen der Aktionäre beantworten, und es wird über wichtige Dinge, die das Unternehmen betreffen, abgestimmt.
Die Aktionäre entscheiden zusammen, was mit dem Jahresgewinn passieren soll. Soll er reinvestiert werden, zum Beispiel in neue Maschinen oder Werbung für die Staubsauger? Oder wird er ausgeschüttet? Dann bekommt Ali ein Zehntausendstel davon ab.

Ali hat sich in unserem Beispiel eine Aktie auf dem Primärmarkt gekauft. Das heißt, er hat die Aktie gekauft, als sie das erste Mal angeboten wurde. Dazu war ein Unternehmenswert (1 Million) festgelegt und ausgerechnet worden, wie viel eine Aktie wert ist.
Die Aktien der Staubsauger AG sind börsennotiert, das heißt Ali kann seine Aktie jederzeit an der Wertpapierbörse zum Verkauf anbieten. Das nennt sich Sekundärmarkt.
Die Preise für eine Aktie am Sekundärmarkt verändern sich die ganze Zeit. Wenn viele Leute Aktien von der Staubsauger AG kaufen wollen, wird der Preis steigen – und umgekehrt wird er sinken, wenn es weniger Nachfrage gibt.
Geld verdienen mit Aktien
Ali kann mit seiner Aktie auf zwei Arten Geld zu verdienen.
Zum einen haben wir die Gewinnausschüttung. In unserem Beispiel bekommt Ali als Aktionär einen Teil des Unternehmensgewinns ab – aber nur in Jahren, in denen die Staubsauger AG Gewinn macht und die Aktionäre entscheiden, ihn auszuschütten.
Dann gibt es noch den Kursgewinn. Wie oben beschrieben, werden Aktien am Sekundärmarkt ständig zu einem aktuellen Preis (= Aktienkurs) gehandelt. Wenn viele kaufen wollen, steigt der Preis. Das kann zum Beispiel bei guten Unternehmenszahlen passieren. Die Käufer hoffen, dass das Unternehmen auch in den nächsten Jahren so gute Zahlen schreibt.
Oder das Unternehmen bietet Produkte an, die in Zukunft sehr nachgefragt sein könnten. Oder die Leute finden etwas einfach cool und wollen unbedingt dabei sein. Es geht nicht immer rational zu an den Aktienmärkten!
➡️ Wenn die Preise einer Aktie hochgehen, ist das jedenfalls gut für die Aktionäre. Denn sie können die Aktie für mehr verkaufen, als sie dafür bezahlt haben. Sie verdienen also am Kursgewinn.

Chancen und Risiken von Aktien als Geldanlage
Aus der Tatsache, dass der Preis von börsennotierten Aktien schwankt, ergeben sich sowohl Chancen auf (überdurchschnittliche) Gewinne, als auch Risiken.
Wahrscheinlich hast du schon mal vom „magischen Dreieck der Geldanlage“ gehört. Das ist eine einfache Darstellung, mit der Banken ihren Kunden das Rendite-/Risikoprofil einer Geldanlage erklären.
Jede Geldanlage bewegt sich in einem Spannungsfeld zwischen
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- Liquidität (wie schnell kann man wieder an sein Geld kommen)
- Renditechancen (welche Gewinne sind realistisch)
- Sicherheit (wie hoch ist das Risiko, Geld zu verlieren)
Es gibt keine Geldanlage, die bei allen drei Faktoren gleichermaßen gut abschneidet, also sehr sicher, sehr gewinnträchtig und vollständig liquide ist.
Unten in der Graphik siehst du, wo Aktien verortet werden: Hohe Renditechancen hängen direkt zusammen mit dem höheren Risiko aus Wertschwankungen. Die Liquidität bei Aktien ist gut, da sie in der Regel an jedem Handelstag verkauft werden können.
Natürlich gibt es auch zwischen den Aktien verschiedener Unternehmen Unterschiede: Die Aktie von einem soliden Großkonzern schwankt normalerweise weniger als die eines jungen Unternehmen aus einer Trendbranche (welches dafür aber auch höhere Wachstumschancen hat).
Im Allgemeinen gelten Aktien jedoch als risikoreichere Anlagen, und dafür wird im Schnitt auch mehr Rendite erwartet.

📉 Aber welche Risiken hat man als Aktionär eigentlich genau?
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- Das Risiko, dass sich das Unternehmen schlecht entwickelt: Es kann dann vielleicht über Jahre keinen Gewinn ausschütten.
- Das Marktpreisrisiko. Die Aktienkurse können stark schwanken, und das hat nicht immer unbedingt damit zu tun, ob das Unternehmen sich gut entwickelt oder nicht. Am Anfang der Corona-Krise zum Beispiel sind die globalen Aktienmärkte kollektiv eingebrochen. Der MSCI World, ein Aktienindex, der über 1.000 Aktien aus verschiedenen Industrieländern nachbildet, verlor binnen kurzer Zeit über 30 Prozent, erholte sich danach allerdings schnell wieder.
- Das Risiko, dass das Unternehmen pleitegeht. Wenn das passiert, gibt es ein Insolvenzverfahren. Falls das Unternehmen nicht weitergeführt wird, werden alle Maschinen, Anlagen und andere Vermögensgegenstände verkauft, um so viel Geld wie möglich zu retten. Davon werden dann zuerst die Löhne der Angestellten, die Kredite bei den Banken usw. bezahlt. Als Aktionär hast du schlechte Chance, noch etwas abzubekommen.
📈 Und wie steht es um die Chancen?
Die Chancen stehen gut, wenn man sich an die Grundregeln (Diversifizierung, längerer Anlagehorizont, keine Panikverkäufe) hält, wie die Untersuchungen des Deutschen Aktieninstituts zeigen.
Im langjährigen Durchschnitt haben die globalen Aktienmärkte weit bessere Renditen gebracht, als zum Beispiel Staatsanleihen (Quelle: Zeit Online). Wie sich die Aktienmärkte in der Zukunft entwickeln, kann zwar niemand mit absoluter Sicherheit vorhersagen. Angesichts von Inflation und dem langfristig niedrigen Zinsniveau kommt man für den Vermögensaufbau eigentlich nicht an Aktien vorbei.
Häufige Fehler beim Investieren in Aktien
Das sind die Top-Fehler beim Anlegen mit Aktien, die du unbedingt vermeiden musst:
Alles auf eine Karte setzen
Du darfst auf keinen Fall alles auf eine oder einige wenige Aktien setzen, und wenn sie dir noch so vielversprechend vorkommen. Im schlimmsten Fall geht das Unternehmen pleite (das ist z.B. bei Wirecard passiert!) und deine Aktien sind über Nacht wertlos.
Du brauchst eine angemessene Streuung, das heißt dein Geld soll über Unternehmen aus verschiedenen Regionen, Branchen etc. verteilt sein.
Den Notgroschen in Aktien anlegen
Du brauchst liquide Mittel, um im Notfall einige Monate lang deine Kosten zu decken, falls unerwartet Einkommen wegbricht. Oder um eine dringende Reparatur oder Ersatzanschaffung zu bezahlen. Aktien sind zwar liquide, aber der Wert ist zu schwankungsanfällig. Der Notgroschen gehört zum Beispiel auf ein Tagesgeldkonto, wo du ihn jederzeit wieder abheben kannst.
Sofort verkaufen, wenn die Kurse fallen
Aktienkurse steigen und fallen die ganze Zeit, das liegt in der Natur der Sache. Gerate nicht in Panik, wenn die Märkte fallen. Wenn du dann sofort verkaufst, machst du Verlust.
Jedem heißen Tipp folgen
Nur, weil gerade alle verrückt nach einer Aktie sind, muss es kein gutes Investment für dich sein. Eine große Nachfrage treibt die Preise nach oben und du riskierst, viel zu teuer einzusteigen.
Vorsicht auch vor den vielen Aktiengurus und -spezialstinnen auf Social Media, mit all ihren Kursen, Programmen und Coachings. Für ziemlich happige Gebühren wollen sie dir zeigen, wie du „ganz einfach“ die besten Aktien findest und damit steinreich wirst.
Ehrlich gesagt: Investments in einzelne Aktien sind für „normale“ Anleger nicht wirklich geeignet. Du müsstest schon sehr viel Zeit opfern und Wissen aufbauen, um die Unternehmen genau unter die Lupe zu nehmen, alle Entwicklungen zu verfolgen und günstige Einstiegs- und Ausstiegszeitpunkte zu finden.
Einfacher sind Produkte, mit denen man in viele Aktien auf einmal investiert: Aktienfonds bzw. Aktien-ETFs (siehe nächster Abschnitt).
Anlegen in Aktien – verschiedene Möglichkeiten
Wie kann man Geld in Aktien anlegen? Es gibt verschiedende Möglichkeiten.
Eine davon: Du suchst dir Unternehmen, die du gut findest und kaufst davon Einzelaktien. Das würden wir nur Leuten empfehlen, die sehr viel Zeit haben, das Unternehmen zu analysieren und die Märkte zu beobachten, und entsprechend starke Nerven besitzen.
Für alle anderen gibt es praktischerweise Fonds. Ein Fonds ist wie ein großer Topf, in den viele Menschen Geld legen. Davon werden Anlagen gekauft – in diesem Fall Aktien. In einem Aktienfonds sind meist Aktien von mindestens 30 – 40, normalerweise mehr verschiedenen Unternehmen. Du hast also den Vorteil, dass dein Geld automatisch „gestreut“ und das Risiko deutlich geringer ist. Auch bei ETFs handelt es sich übrigens um – börsengehandelte – Fonds.
Dann gibt es noch Derivate auf Aktien. Derivat heißt, dass der Wert dieses Finanzinstruments von einem anderen Wert (in diesem Fall der Aktie) abhängt. Es sind also komplexe und oft sehr riskante Produkte. Sie kommen unter allen möglichen Namen daher: Zertifikate, Warrants, Optionsscheine, Futures, CFDs… Profis brauchen Derivate, um Risiken in ihren Portfolien abzusichern. Oder um zu spekulieren. Die meisten Kleinanleger verlieren Geld damit.
Nachhaltig anlegen mit Aktien
Nachhaltig orientierte Investoren legen ihr Geld in Aktien von Unternehmen an, die nach ethischen, sozialen und / oder ökologischen Kriterien ausgewählt wurden. Die Motivationen dafür können unterschiedlich sein.
Viele Investoren wissen, dass Nachhaltigkeitsrisiken auch die finanzielle Leistung eines Unternehmens langfristig negativ beeinflussen können. Deswegen werden Unternehmen ausgesiebt, die Gefahr laufen, sich nicht rechtzeitig an neue Gesetze und Gegebenheiten (zum Beispiel zum Klimaschutz) anzupassen.
Andere möchten bewusst in Unternehmen investieren, die gute Lösungen für drängende Menschheitsprobleme entwickeln. Oder zumindest in solche, die einen möglichst geringen Schaden an Umwelt und Gesellschaft anrichten.
Wenn du in viele verschiedene Aktien von nachhaltigen Unternehmen investieren möchtest, ist der einfachste Weg über einen grünen Aktienfonds. Damit du aber ein Produkt mit einem seriösen Nachhaltigkeitsansatz erwischst, musst du unbedingt die Verkaufsunterlagen genau unter die Lupe nehmen. Mehr zu den verschiedenen Ansätzen und Möglichkeiten liest du hier im Leitfaden Nachhaltig Investieren.
Wie kann ich Aktien kaufen?
Möchtest du gerne selbst deine ersten Aktien oder Fondsanteile kaufen? Das geht zum Beispiel über deine Bank oder einen der vielen Online-Anbieter (Direktbanken und Broker). Für die Aufbewahrung deiner Wertpapiere eröffnest du ein Depot.
Wenn du Anbieter vergleichst, achte nicht nur auf die Kosten für das Depot, sondern auch auf weitere Gebühren, zum Beispiel Transaktionsgebühren, die bei jedem Kauf oder Verkauf anfallen können.
Junior-Depots für Minderjährige gibt es meist kostenlos. Mehr Tipps dazu gibt es hier.
